RSG Langenhagen 82 e.V.
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Stephan Engelhardt

Das Portrait:

 

„Es ist entspannter, bei den Blinden zu schwimmen“

 

Mit elf Jahren begann Stephan Engelhardt von der RSG Langenhagen mit dem Schwimmen. Zunehmende Knieprobleme hatten ihn gezwungen, mit der bis dahin geliebten Leichtathletik aufzuhören. „Meine blinde Schwester hat zu der Zeit bei der RSG mit dem Schwimmen begonnen, da bin ich einfach mal mit zum Training gegangen“, erzählt der 18-Jährige. Seitdem übt er bis zu sieben Mal pro Woche Technik, Kondition und Kraft – fünf Einheiten im Wasser und zwei im Kraftraum – und hat es 2009 überraschend zu zwei Europameisterschafts-Medaillen gebracht: Silber über 100 Meter Schmetterling und Bronze über 100 Meter Brust – seine bisher größten Erfolge.

 

Stephan Engelhardt wurde mit einer starken Sehbehinderung geboren – einer so genannten Makuladystrophie. Narben auf der Netzhaut und das immer schwächer werdende Sehvermögen  haben ihn in seinem Leben zwar vor die eine oder andere Herausforderung gestellt, ihn aber nie davon abgehalten, sein Lebensmotto zu verfolgen: „Das zu tun, was mir Spaß macht.“ Das ist aber nicht das Einzige, was für den Schüler der zwölften Klasse zählt. „Über die Erfolge freue ich mich natürlich auch.“ Am Schwimmen gefällt ihm besonders gut, dass es im Schwimmbad seinen eigenen Platz hat. „Wenn ich draußen bin, bin ich damit fertig.“ So kann sich der Vize-Europameister im Training hundertprozentig auf den Sport konzentrieren.

 

Umstellung auf die geschwärzte Brille

Einen nicht unwesentlichen Anteil an seinem plötzlichen EM-Erfolg hat die neue Startklasse, in der Stephan Engelhardt seit 2009 antritt. Sein Sehvermögen hatte sich im Laufe der Zeit so sehr verschlechtert, dass er nunmehr mit den Blinden um Titel und Zeiten kämpft. Einzige Umstellung: Stephan Engelhardt muss mit einer geschwärzten Brille ins Wasser springen. „Am Anfang war das eine Überwindung, aber mittlerweile ist es teilweise entspannend für mich“, erklärt er. Bei Wettkämpfen der blinden Schwimmer steht bei jeder Wende ein Kampfrichter am Beckenrand, der dem Athleten mit einem langen Stab, an dessen Ende ein Tennisball befestigt ist, leicht auf den Kopf schlägt. „Dadurch kann ich mich vollständig auf das Schwimmen konzentrieren, weil ich mich darauf verlassen kann, dass ich nicht gegen die Wand stoße.“ Etwas, was beim Training durchaus vorkommt. „Das ist dann nicht so gut“, sagt er mit einem verschmitzten Lächeln.

 

Zusammenstöße mit anderen Schwimmern sind ihm indessen selten passiert. Nicht einmal, als er mit Nichtbehinderten trainiert hat. „Das ist für mich leichter, weil die anderen mich sehen können, selbst wenn ich mal überhole und nicht bemerkt habe, dass mir jemand entgegen kommt“, erinnert er sich. Zudem absolvierten in solch einer Gruppe alle den gleichen Trainingsplan mit ähnlichen Übungen und man komme sich schon deshalb nicht in die Quere.

 

Mit Integration zu größerem Erfolg

Aus dieser Erfahrung heraus und um noch stärkere Trainingsreize setzen zu können, wünscht sich der hoch aufgeschossene Schwimmer, dass in seiner Sportart das Thema Integration auch im Trainingsalltag umgesetzt wird und Sportler mit und ohne Behinderung zusammen üben. „Es gibt für eine eigene Gruppe zu wenige Schwimmer mit Behinderung. Außerdem macht es in größeren Gruppen mehr Spaß“, betont Stephan Engelhardt. Ein entscheidender Faktor auf dem Weg zu seinen sportlichen Zielen, wie beispielsweise die Weltmeisterschaften im August oder auch die Paralympics 2012 in London. „Ich will mir da aber keinen Druck machen, um nicht enttäuscht zu werden, wenn es nicht klappt. Wenn ich gut ins Training komme und die erforderlichen Normen schwimme, dann freue ich mich.“ Vorrang haben zurzeit aber die Schule und die anstehende Abiturprüfung. „Ich stehe schwimmerisch immer noch relativ am Anfang und habe alle Zeit der Welt, um sportliche Ziele zu verfolgen“, sagt der Schüler. Ein kleines Ziel, wie er sagt, hat er hingegen bereits erreicht: Die Kandidatur zur Wahl „Behindertensportler des Jahres“. „Da wollte ich schon immer mal dabei sein.“

 

Heike Werner (mit freundl. Genehmigung des BSN)

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